Plötzlich Sternchen-Mama – Tabuthema Fehlgeburt

Fehlgeburt - Schwangerschaftstest und Ultraschallbilder

Achtung, Triggerwarnung: Ich berichte hier vom sensiblen Thema Fehlgeburt.

Puh, okay, wie fange ich an…? Die Headline verrät es schon; ich bin seit kurzem Mama eines kleinen Sternchens. Das ist auch der Grund, warum es hier in den letzten Wochen so still war. Ich habe lange überlegt, ob ich über das Thema, über meine Fehlgeburt in der 8. SSW, hier schreiben kann und soll. Aber ich möchte meine Geschichte teilen, weil mir selbst in den vergangenen Wochen die Erfahrungen anderer Frauen geholfen haben. Ich bin nämlich – leider – ganz und gar nicht allein damit: Mindestens jede 3. bis 4. Frau teilt dieses Schicksal. Und es ist schmerzhaft, egal in welcher Woche der Schwangerschaft es passiert.

Der Tag der Veröffentlichung ist nicht zufällig gewählt: Der 15. Oktober ist Internationaler Gedenktag für Sternenkinder. Ein Tag, der Aufmerksamkeit verdient! Für die Sternchen, aber auch für die Sternenmütter und -Väter.

Ich möchte meine Geschichte von Anfang an erzählen und auch die schönen, aufregenden Momente der Anfangszeit mit euch teilen. Denn auch diese Zeit werde und will ich niemals vergessen und missen. An Bekannte möchte ich schon mal auf den letzten Absatz verweisen, der mir sehr wichtig ist, um mich, aber auch andere Frauen zu schützen!

Meine Schwangerschaft – wie alles begann

Ich möchte hier nicht darauf eingehen, ob es geplant war, ob wir es haben drauf ankommen lassen, oder ob es “aus Versehen” passiert ist. Anfang August bemerkte ich jedenfalls erste Veränderungen. Ich war auf einem Junggesellinnenabschied und hatte plötzlich ein komisches Gefühl und leichtes Ziehen im Unterleib.

Eine Woche später ging es für uns in den Urlaub. Eine lange Autofahrt zum Gardasee und mir ging es ganz, ganz komisch. Mich hat der Gurt am Unterleib extrem gestört, ich hatte ein ganz kribbeliges, unruhiges Gefühl “da unten” und mir war zwischendurch ganz schön schwindelig. Ich war irritiert, habe aber zu diesem Zeitpunkt bereits geahnt, woran es liegen könnte. Am Ankunftsabend habe ich mit dem Hubby dann noch mit einem Prosecco auf den Urlaub angestoßen. Und was soll ich sagen? Er hat mir nicht wirklich geschmeckt, und es hat sich irgendwie nicht richtig angefühlt, sodass ich ihn auch nicht ausgetrunken habe. Es konnte Zufall sein, oder auch eine Bestätigung meines Gefühls. Ich hätte zwei/drei Tage später meine Tage bekommen sollen und entschied mich, am nächsten Morgen zu testen. Einen Schwangerschaftstest hatte ich mit im Gepäck und der Hubby wusste inzwischen auch von meinem Verdacht.

Der positive Test und die Zeit danach

Am nächsten Morgen war ich sehr früh wach und musste wie üblich direkt ums Eck. Zeit also für den Test. Der Hubby war informiert, aber ich brauchte den Moment erstmal für mich. Sehr, sehr schnell – zum Glück, denn ich war sehr aufgeregt – zeigte der digitale Test EIN Wort an: schwanger! Ein kleines Wort, aber eine so große Bedeutung. Ich war überwältigt, überfordert, aber auch sehr, sehr glücklich. Bin dann direkt raus zum Hubby und habe ohne große Show den Test gezeigt. Er war wohl überraschter als ich (ich habe es schließlich schon etwas länger geahnt), ebenfalls überfordert, aber als der erste “Schock” nachließ, auch zunehmend happy.

Wir haben an diesem Tag und während des Urlaubs nur zwei Freunden Bescheid gegeben: Dominik seinem besten Freund und ich einer guten Freundin, die ebenfalls schwanger und zudem Frauenärztin ist und früher Hebamme war. Das hat mir ungemein geholfen, denn ich konnte mich bei Sorgen und Fragen fortan immer an sie wenden.

Ich mache es kurz: Der Urlaub war wunderschön und die Situation perfekt, weil wir uns so ganz ohne den typischen Alltagsstress an die neue Situation gewöhnen konnten. Meine Schwangerschaftsanzeichen wurden stärker, ich war müde, manchmal war mir schwindelig und meine Brüste spannten zunehmend. Übel war mir aber zum Glück nur ganz selten. Etwas kniffelig war es bezüglich Essen und Trinken, aber auch das war eher aufregend als störend. Und die italienischen Servicekräfte waren super hilfsbereit und bemüht. Kurzum, dieser Urlaub war ganz besonders und wird uns auch immer so in Erinnerung bleiben.

positiver Schwangerschaftstest

Zurück im Alltag und der erste Besuch beim Frauenarzt

Wieder Zuhause erwarteten uns zum Glück noch ein paar freie Tage. Ich hatte mir aufgrund meiner Vorahnung noch vor dem Urlaub einen Termin bei meiner Nuklearmedizinerin gemacht. Seit vielen Jahren leide ich an einer Schilddrüsenunterfunktion im Rahmen der Autoimmunerkrankung Hashimoto. Ich nehme täglich L-Thyroxin und wusste, dass der Bedarf in der Schwangerschaft ein anderer, höherer sein kann. So auch bei mir. Noch am selben Tag bekam ich die Info, dass ich die tägliche Dosis erhöhen soll. Ansonsten waren der Hubby und ich noch mit meiner Besten, ihrem Mann und ihren zwei Jungs in einem tollen Freizeitpark für kleinere Kids. Hier habe ich es dann auch meiner Besten erzählt und sie hat sich wahnsinnig für uns gefreut. Wie gerne denke ich an diese schönen Momente zurück…

Nach dem Urlaub konnte ich zum Glück mit einer Home-Office-Woche starten. In dieser Woche standen zudem noch eine Hochzeit mit einigen Kollegen/Freunden auf der Agenda, der erste Besuch bei meinem Frauenarzt sowie ein Essen mit meinen Eltern und Pateneltern. Da ich aufgrund der noch so kritischen Phase meiner Schwangerschaft weder Kollegen, weiteren Freunden noch unseren Familien davon berichten wollte, musste ich mir eine Ausrede zurechtlegen, warum ich nicht einmal mit anstoßen könne. Ich habe mich für eine Blasenentzündung entschieden, die ich wohl noch aus dem Urlaub mitgebracht haben muss und gegen die ich Antibiotika nehmen müsse…

Der erste Frauenarztbesuch war für Donnerstagabend angesetzt und mein Arzt hat sich sehr für mich gefreut. Es sah auch alles soweit super aus: Eine schöne runde Fruchtblase mit Dottersack und embryonaler Anlage. Etwas enttäuscht war ich zunächst nur, weil ich hoffte, dass man schon den Herzschlag würde sehen können. Dies sei in diesem Stadium (er schätzte mich auf die 6. SSW) aber völlig normal, was mir auch meine Frauenarzt-Freundin J. bestätigte. Aus diesem Grund habe ich bei diesem Termin auch noch nicht meinen Mutterpass bekommen. Dafür aber schöne erste Ultraschallbilder und einen Termin zwei Wochen später, auf welchen ich von da an hinfieberte…

Die Hochzeit war super schön. Meine Ausrede funktionierte, auch wenn ich vermute, dass zwei Mädels mir nicht ganz geglaubt und etwas geahnt haben. Hier verweise ich auch noch einmal auf den letzten Absatz. Auch beim Essen mit der Familie hat die Blasenentzündungs-Story soweit ganz gut funktioniert, auch wenn es mir in der Runde besonders schwer gefallen ist, die schönen News nicht zu teilen. Meine Mama hat wohl hier auch schon etwas geahnt, aber sie hätte nie etwas gesagt. Ich persönlich hätte es im Nachhinein meiner engsten Familie schon eher erzählt. So hätten auch sie ein bisschen etwas von der Vorfreude gehabt und nicht erst zusammen mit der schlimmen Nachricht Fehlgeburt von meiner Schwangerschaft erfahren. Das ist natürlich sehr individuell und meine ganz persönlich Ansicht und Lehre.

Der Anfang vom Ende – erste Anzeichen meiner Fehlgeburt

Die nächste Woche verging, ich war oft müde, die Brüste spannten weiterhin sehr, aber die Übelkeit hielt sich bei mir nach wie vor in Grenzen. Am Wochenende erwarteten wir Besuch von meiner Freundin J., ihrem Mann und ihrer sechsjährigen Tochter. Ich freute mich riesig, weil der Austausch mit ihr für mich als Neu-Schwangere so hilfreich war und wir die drei ohnehin super gern haben. Ab und zu kamen bei mir aber auch Gedanken hoch, dass es – sollte etwas passieren – an diesem Wochenende für mich einfacher wäre mit J.’s Unterstützung. Ganz, ganz komisch und beunruhigend. Vielleicht eine Vorahnung? Ich verwarf die Gedanken schnell…

Der Samstagmorgen begann für mich mit starken Kopfschmerzen. Ich leide ja schon lange an Migräne, aber in der SS war ich bisher frei davon und wunderte mich daher doch ein wenig. Anschließend war ich aber durch unsere Freunde gut abgelenkt und wir hatten einen wunderschönen Tag bei bestem Wetter. Am Abend, nach einem leckeren Essen, waren wir alle ziemlich platt und haben uns gegen 22 Uhr bettfertig gemacht und das “Lager” für unsere Freunde im Wohnzimmer aufgebaut.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon ein komisches Druck-Gefühl im Unterleib und dachte, ich müsse vielleicht auf die Toilette. Zudem hatte ich das eigenartige Empfinden, dass meine Brüste nicht mehr so spannten. Im Bett war ich noch ein Weilchen am Handy und wollte um ca. 23 Uhr das Licht ausmachen. Da ich mich nach wie vor komisch fühlte und seit Beginn der SS Sorge vor Blutungen hatte, habe ich vorher nochmal “gefühlt”, ob alles in Ordnung ist. War es leider nicht: Ich hatte dunkelrotes Blut an der Hand…

Notaufnahme und eine Nacht im Krankenhaus

Ich bin sofort aufgesprungen und habe dem Hubby Bescheid gegeben. Auf der Toilette war weiterhin Blut am Papier. Nicht viel, aber zusammen mit dem unguten Gefühl und den Kopfschmerzen am Morgen sowie leichten Krämpfen im Unterleib genug, um sich ernsthaft zu sorgen. Wir wollten eigentlich meine Freundin wecken, aber die drei schliefen fest und zusammengekuschelt in unserem Wohnzimmer und wir brachten es nicht übers Herz, die Kleine zu erschrecken. Im Nachhinein würden wir es wahrscheinlich trotzdem machen, aber in dieser Situation konnten wir nicht klar denken und sind ins Krankenhaus gefahren. Da der Hubby ein paar Gläschen Wein intus hatte, musste ich selbst fahren und habe dabei buchstäblich gezittert vor Sorge. Zum Glück ist das Krankenhaus nicht weit von uns entfernt.

Eineinhalb Stunden mussten wir warten. Eine endlose Zeit in dieser Situation. Dann durfte der Hubby wegen Corona natürlich auch nicht mit in die Notaufnahme, sondern musste im Wartebereich bleiben. Eine sehr junge Assistenzärztin kümmerte sich um mich und machte einen Ultraschall. Entweder war das Gerät dermaßen schlecht (wirklich praktisch in einer Notaufnahme!), oder die Ärztin hat so schlecht geschallt, aber man sah nicht wirklich viel. Blut sei aber nicht mehr viel zu sehen. Dennoch riet sie mir dringend, die Nacht im Krankenhaus zu verbringen, damit die Oberärztin am nächsten Morgen drauf schauen könne. Das wollte ich eigentlich auf keinen Fall, entschied mich aber letztlich doch dazu. Nach einer Blutabnahme, dem Legen eines Zugangs und einem Corona-Abstrich, habe ich mich dann vom ebenfalls geschockten Hubby verabschiedet.

Zum Glück bin ich zusatzversichert für Zweibettzimmer, dennoch hatte ich größte Sorge, womöglich in einem Zimmer mit einer frisch gebackenen oder in den wehenden liegenden Mama zu landen. Es war mittlerweile auch halb zwei in der Nacht. Ich hatte aber Glück und bekam ein Einzelzimmer. Und eine Bettpfanne gleich mit dazu, weil ich nicht mehr aufstehen sollte. Es war, wie ihr euch vorstellen könnt, eine tolle restliche Nacht: allein, mit so vielen Sorgen um das “Klömpchen” (unser Projektname) in meinem Bauch und einer Bettpfanne. :-(

Sonntag, der 13. September 2020: Der Tag meiner Fehlgeburt

Irgendwann, irgendwie ging die Nacht vorbei. Ich bekam ein typisches Krankenhausfrühstück und anschließend eine Schüssel ans Bett, um mich frisch zu machen. Gegen 10 Uhr sollte die Oberärztin mich untersuchen. Mittlerweile habe ich mit dem Hubby und natürlich auch meiner Freundin telefoniert. Ich hätte sie selbstverständlich wecken dürfen und sollen – mittlerweile war mir das auch klar. Sie riet mir, so oder so, nach dem Termin bei der Oberärztin um Entlassung zu bitten. In diesem frühen Stadium der SS könne man den Lauf der Natur nicht aufhalten und wenn “etwas passiert” sei ich Zuhause, in meinem Bett, mit meiner Dusche und ohne Bettpfanne besser aufgehoben. Wie wahr…

Um kurz nach zehn wurde ich Richtung Kreißsaal geschoben, vor die Tür des Untersuchungsraums. Dort lag ich dann eine Stunde, habe einige Hochschwangere gesehen und mittlerweile brachen bei mir alle Dämme. Am Abend und in der Nacht war ich starr vor Schock, aber nun konnte ich nicht mehr aufhören zu weinen. Für mich war klar: Es ist vorbei! Das nimmt kein gutes Ende. Gegen elf Uhr wurde ich dann endlich in den Untersuchungsraum geschoben. Ich musste schon eine ganze Weile zur Toilette, habe mich aber nicht getraut, aufzustehen. Die Oberärztin war sehr lieb, konnte aber aufgrund meiner vollen Blase kaum etwas sehen auf dem Ultraschall. Somit durfte ich dann doch fix ums Eck. Ohne Bettpfanne!

Zurück im Raum war das Bild gleich ein ganz anderes: Die Ärztin zeigte mir das kleine Würmchen, sie ging näher, hielt inne und da war er: Der Herzschlag! Wie sehr hatte ich mir das gewünscht. Das Herzchen schlug, das Würmchen machte rhythmische Bewegungen. Es war unbeschreiblich, aber dennoch war ich im Inneren absolut nicht erleichtert. Ich wusste einfach, dass ich mein Klömpchen verlieren würde. Blut war zu diesem Zeitpunkt keines mehr zu sehen und die Ärztin vermutete ein kleines Hämatom, was abgeblutet sein könnte. Sie war optimistisch. Im Gegensatz zu mir…

Der Hubby und J. haben mich wenig später abgeholt und ich war so froh, wieder zuhause zu sein. Die drei blieben noch kurz und meine Freundin riet mir, sollten Blutungen und Schmerzen auftreten, erstmal nicht ins Krankenhaus zu fahren. Außer, ich bekäme Fieber, Kreislaufprobleme oder extrem starke Blutungen. Ich glaube, auch sie hat mit dem Schlimmsten gerechnet und ich war ihr sehr dankbar für ihre Einschätzung. Zudem wusste ich nun einmal mehr, dass ich mich jederzeit bei ihr melden kann.

Die stille Geburt

Kurz nachdem unsere Freunde weg waren ging es los: Wehenartige Krämpfe, starke Schmerzen im unteren Rücken und die große Sorge vor dem nächsten Gang auf die Toilette. Der wurde aber natürlich irgendwann fällig und die Befürchtungen wurden wahr. Da war Blut, frisches Blut, geronnenes Blut, viel Blut. Sorry, wenn euch das zuviel wird, dann stoppt hier gerne oder lest beim nächsten Absatz erst weiter. Ich habe mich entschlossen, das Ganze einmal runterzuschreiben. Es war schockierend, aber es war – so schlimm es ist – natürlich. Und ich bin meinem gesunden Körper dankbar, dass er den Prozess selbst angestoßen hat. Ich habe den restlichen Sonntag viel Zeit auf der Toilette verbracht. Trotz des vielen Blutes ging es meinem Kreislauf aber die ganze Zeit gut, sodass ich einen weiteren Klinikaufenthalt nicht in Erwägung gezogen habe.

Am Abend habe ich auf der Toilette viele große Blutgerinnsel, sogenannte Koagel verloren. Und dann landete nach weiteren Kontraktionen plötzlich auch etwas in der Toilette, bei dem ich mir ziemlich sicher bin, was es war. Keine Sorge, ich beschreibe es nicht näher, aber ich habe eine Zeit lang inne gehalten und mich verabschiedet. Es hat so weh getan, das tut es noch, ich habe viel, sehr viel geweint. Aber es war auch ein sichtbarer Abschluss, der mir im Nachhinein hilft, das Ganze zu begreifen. Der Hubby musste dann erstmal noch zur Tankstelle fahren und mir Binden kaufen. Zuhause hatte ich nur Tampons, die man bei einer Fehlgeburt nicht nutzen darf, und dünne Slipeinlagen, die wiederum natürlich rein gar nichts bringen. Die Nacht habe ich vor lauter Erschöpfung dann irgendwie in den Schlaf finden können.

Die erste Zeit nach der Fehlgeburt

Am nächsten Tag – die Blutung war nach wie vor sehr stark – bin ich zu meiner Frauenarztpraxis gefahren. Natürlich war gefühlt das halbe Wartezimmer voll mit Hochschwangeren. Meine Tränen liefen und liefen. Mein Arzt war nicht da, aber dafür eine sehr liebe junge Ärztin, die sich sehr behutsam und liebevoll um mich gekümmert hat. Mir war es so unangenehm, weil die Blutung derart stark war, aber sie haben mir derartige Sorgen direkt genommen. Die Untersuchung war ungewohnt schmerzhaft und auf dem Ultraschall war meine Gebärmutter – wie erwartet und bis auf viel weiteres Blut – leer. Fruchtblase samt Klömpchen waren weg. Natürlich abgegangen. Bei mir zuhause. Eine frühe Fehlgeburt. Da war nur noch eine dunkle Leere…

Die Ärztin war unglaublich einfühlsam und hat verstanden, dass ich meinen Körper auch “den Rest” alleine machen und auf eine Operation, eine Ausschabung (was ist das eigentlich für ein fürchterliches Wort?) sofern möglich verzichten wolle. Oft geht es nicht anders, weil der Körper den Vorgang nicht alleine anstößt (Missed Abortion), aber bei mir ging das Ganze jetzt so schnell und von selbst, dass ich die feste Hoffnung hatte, dass mein Körper das auch alleine beenden kann. Mir wurde noch Blut abgenommen um den hCG-Wert zu checken. Das Schwangerschaftshormon musste nun kontinuierlich sinken bis auf 0, um sicherzugehen, dass keine Überreste in der Gebärmutter verblieben sind, die eine Ausschabung doch noch nötig machen könnten. Das war einfach falsch! Eigentlich sollte mein hCG-Wert doch noch schön weiter steigen, und unser Klömpchen fleißig wachsen…

Ich wurde für die Woche krankgeschrieben und sollte zwei Tage später wieder in die Praxis. Zuhause habe ich viel geweint, schließlich auch meine Eltern und Pateneltern informiert. Wie gerne hätte ich ihnen positive Nachrichten überbracht…
Zudem habe ich viel gelesen. Erfahrungsberichte anderer Frauen. Ich war nicht allein! Ich bin nicht allein! Fehlgeburten, gerade frühe Abgänge, sind viel häufiger als man denkt. Eine Fehlgeburt ist kein Tabuthema. Das Reden darüber hilft mir persönlich sehr. Auch mit dem Hubby, der so gut es geht für mich da ist. Und das Aufbewahren der wenigen Erinnerungen an meine kurze Schwangerschaft. In einem hübschen Karton liegen nun SS-Tests und Ultraschallbilder. Mein Sternchen, mein Klömpchen, dessen Herz ich noch hab schlagen sehen dürfen, wird immer meine erste Schwangerschaft bleiben. Es gehört zu mir, egal was die Zukunft bringen mag.

Erinnerungskiste an Sternchen nach Fehlgeburt

Wie geht es jetzt weiter und eine Bitte an Menschen, die mich kennen

Die letzten Frauenarzttermine waren sehr “positiv”. Meine Gebärmutter hat sich vollständig entleert, die Untersuchungen schmerzen nicht mehr und das SS-Hormon ist raus aus meinem Körper. Ich bin jetzt seit viereinhalb Wochen Sternchen-Mama, genau so lange, wie ich bewusst schwanger war. Oft überkommt mich noch eine Traurigkeit. Wenn ich morgens aufwache und manchmal denke, es sei noch alles in Ordnung, wenn ich daran denke, dass ich die kritischen 12 Wochen jetzt wohl hinter mir hätte, wenn ich plötzlich überall Babysachen oder Schwangere sehe oder von frischen Schwangerschaften erfahre. Nicht falsch verstehen: ich gönne es jedem von Herzen und bin auch nicht neidisch. Ich hätte es mir und uns nur auch gegönnt…

Ich versuche mich nicht verrückt zu machen, woran es lag. Es war wohl keine intakte Schwangerschaft. Das kommt vor. Oft. Ich versuche stolz zu sein auf meinen Körper, der das scheinbar selbst schnell erkannt und den natürlichen Prozess in die Wege geleitet hat. Ich versuche stolz zu sein auf mich, dass ich diesen Prozess bewältigt habe und auch dabei bin, diese Erfahrung zu verarbeiten. Ich bin stolz auf unser Klömpchen, das gekämpft hat, aber nun lieber als Stern auf uns aufpasst. Ich hatte eine Fehlgeburt, die fortan zu mir gehört, aber mich nicht bestimmt. Ich sehe wieder die schönen Dingen des Lebens und möchte Mut machen!

Wie geht es jetzt weiter? Ja, hier bitte ich nun um Verständnis, dass ich darüber erstmal nichts schreiben möchte. Die Verarbeitung braucht Zeit und ich möchte mich schützen vor Druck von außen. Ob und wann wir es vielleicht nochmal versuchen, werden wir für uns entscheiden. Darum bitte ich besonders Kollegen und Bekannte, die dies hier vielleicht lesen, nicht anzufangen, mir auf den Bauch zu schauen. Nicht zu hinterfragen, ob und was ich esse oder trinke und was nicht.

Generell bitte ich jeden um Rücksichtnahme, wenn es um die Themen Schwangerschaft und Kinderwunsch geht. Ihr wisst nicht, was die Frau bzw. das Paar vielleicht schon durchgemacht hat. Auch, wenn der Kinderwunsch gar kein Thema ist, möchte man nicht hören, dass sich dies bestimmt noch ändert und Kinder doch einfach dazugehören. Nett gemeinte, aber unüberlegte Fragen können verletzten wie z.B.: Und wie sieht es bei euch mit dem Kinderwunsch aus? Wann kommt denn das Zweite? Ihr seid doch schon so lange zusammen, wird es da nicht mal Zeit für den nächsten Schritt? Ach, du trinkst heute nicht – soso?! Danke für euer Verständnis!

Und ein großes Dankeschön gilt unseren engen Freunde, meiner Familie und ganz besonders meinem Hubby! In guten wie in schlechten Zeiten…

Hoffnung nach Fehlgeburt - stark als Paar

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4 Kommentare

  1. Maria Collodoro
    2020-10-16 / 22:30

    Ach meine Liebe, wir sehr hätte ich euch das Klömpchen gewünscht. Ich liebe deine positive Einstellung, auch in einer so traurigen Zeit. Sei weiter stolz auf dich, auf deinen Körper und vor allem auf eure Beziehung. Du bist wundervoll! Ich drück dich!

    • 2020-10-19 / 9:10

      Ach Maria, mir kommen die Tränen… ich danke dir für deinen wunderbaren, warmen Worte und drücke dich ganz fest! <3

  2. 2020-10-15 / 20:08

    Hey, mir kamen beim Lesen fast Tränen, es tut mir schrecklich leid was ihr erleben musstet. Danke für diesen, doch so wundervoll ehrlichen, und doch traurigen und herzzerreissenden Beitrag.
    Warum wundervoll? Weil er ehrlich ist und anderen vielleicht helfen kann es besser durchzustehen.
    Liebste Grüße an euch!

    • 2020-10-16 / 16:21

      Ich danke dir von Herzen für deine lieben Worte. Das bedeutet mir wirklich viel, denn genau so soll er aufgefasst werden. Es freut mich, dass es so ankommt… <3

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